Konstruktive Medienkritik
aus Wirtschaft und Politik

Ausgewählte aktuelle Artikel werden kurz zusammengefasst und ergänzenden oder alternativen Sichtweisen bzw. Szenarien gegenübergestellt.

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Finanzplatz-Strategie

SO HAT DER FINANZPLATZ EINE CHANCE....

 

... UND DIE FREIHEITLICHE SCHWEIZ EINE EXISTENZBERECHTIGUNG 

 

 

  

Martin Janssen deckt strukturelle Schwächen (kostenloser Staatsschutz von Banken) des Schweizerischen Finanzplatzes auf, zeigt aber auch deren Stärken (z.B. das Bankgeheimnis). Die Folgerung ist klar: es gilt das Gute zu verteidigen und das Schlechte zu eliminieren. Leider mache die Schweizer Politik genau das Gegenteil. Dadurch sei nicht nur der Finanzplatz bedroht, sondern es werde die freiheitliche demokratische Ordnung unseres Staates  aufs Spiel gesetzt.  Janssen  plädiert deshalb für die Verteidigung des Bankgeheimnisses, den Verzicht auf eine Weissgeldstrategie sowie die Einführung echter Wettbewerbsbedingungen bei Banken.

 

Den Argumenten und vor allem den Folgerungen von Janssen sind zuzustimmen. Zwei Relativierungen sind aber anzubringen. Zum ersten sind Steuervermeidung und -umgehung (ob legal oder nicht legal) ein wichtiges Regulativ, ohne welche Freiheit und Wirtschaft gefährdet wären und historisch nicht hätten bestehen können. Die undifferenzierte Verurteilung der Steuerhinterziehung ist deshalb nicht haltbar. Zum zweiten bedeutet der automatische Informationsaustausch eine so starke Bedrohung für Wirtschaft und Freiheit, dass die Schweiz selbst dann nicht mitmachen sollte, wenn es die Mehrheit der übrigen Welt täte. (➜ Irrweg AIA)

 
Martin Janssen in Weltwoche vom 12.6.2013   Kritik Schlief, 24.6.2013  

US Verschuldung

US SCHULDENBERG IST EINE ZEITBOMBE...

 

...ABER OHNE ZÜNDER

 

   

Schulden sind Leistungsversprechen des Staates. In den USA sind diese so hoch, dass die Versprechen - selbst bei massiven Steuererhöhungen - nicht eingehalten werden können.  Dies müsste sich eigentlich in hohen Risikoprämien der Staatspapiere reflektieren, was wiederum Politiker zwingen würde, das Problem sofort nachhaltig anzupacken. Erstaunlicherweise enthalten die US Papiere kaum eine Risikoprämie. Kotlikoff führt dies auf Marktversagen (die Wallstreet irrt sich) zurück. Damit wird nach Kotlikoff das Szenario wahrscheinlich, wonach die Politik bis zum unausweichlichen Kollaps weiterwurstelt. 

 

Das unterstellte Marktversagen ist nicht überzeugend.  Entgegen der Meinung Kotlikoffs gibt es einen ökonomisch bedeutsamen Unterschied zwischen expliziter und impliziter Schuld. Die erstere beurteilt der Markt als feste Verpflichtung, die letztere jedoch als relativ unverbindliche staatliche Absichtserklärung. Die “Risikoprämie” für die riskanten unverbrieften Leistungsversprechen lassen sich nur durch Umfragen belegen: 60% der aktiven Amerikaner glauben, der Staat erbringe künftig seine versprochenen Sozialleistung nicht (➡ Schuldenberg USA). Dieser faktische vorausgenommene “Abschreiber” der impliziten Schuld relativert die Aussagen Kotlikoffs grundlegend.

 
Prof. Kotlikoff im Notenstein-Gespräch, 2/2013   Kritik Schlief, 6.3.2013  

Erdöl Markt

KNAPPHEIT SIEHT ANDERS AUS...

 

....AHA! WIE DENN?

 

 

  

Gerald Hosp weist in seinem Artikel auf eine "samtene Revolution" in der Gewinnung von fossilen Brennstoffen hin: dem hydraulic fracturing. Erfolge in den USA führten zu einer veritablen Euphorie.  Trotz des ausgelösten Booms warnt Hosp vor Verallgemeinerungen. Er unterscheidet zwischen der ökonomischen Knappheit (mit dem Preis als Indikator) und der geologischen (vorhandene langfristig erschliessbare Weltreserve).  Interessant ist vor allem die erstere. Hierzu meint Hosp überraschend: der Preis (und damit die Knappheit) wird voraussichtlich hoch bleiben, ohne dies zu begründen. Dies widerspricht dem behaupteten Angebots-Boom und der Aussage im Titel.

 

Für Anleger und Investoren ist die Frage der kurz- bis mittelfristigen Preisentwicklung entscheidend. Nachfrage, Angebot und Lagermöglichkeit sind die zentralen Ingredienzen für die Abschätzung. Die technologische Entwicklung des Abbaus mittels hydraulic fracturing hat das Angebot und die erwartete Entwicklung beeinflusst. Tatsächlich scheint es möglich durch "Abgrasen" der ergiebigen Orte (sweet spots) kurzfristig beachtliche Mengen zu fördern. Dies erscheint aber ökonomisch und ökologisch wenig nachhaltig und ist im Vergleich zum Weltmarkt und zur Unsicherheit (noch) nicht bedeutend. Bestehende seriöse Marktanalysen werden somit durch das Phänomen fracturing wenig relativiert (➜ Fundamentalanalyse Erdöl)

 

Gerald Hosp in NZZ, 15. 6. 2013

 

Kritik Schlief, 16.6.2013