Konstruktive Medienkritik
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Höhe und Risiko der US-Verschuldung

Bruce, 1. März 2013

Die USA haben ein enorm grosses Problem: sie machen Leistungsversprechen, welche unmöglich eingehalten werden können.  Dies müsste sich eigentlich in den Risikoprämien der US Staatspapiere reflektieren, was aber nicht der Fall ist. Wie erklärt sich dieses Puzzle? Verhält sich Wallstreet irrational?

1. Nachhaltigkeit

Die fehlende Risikoprämie sei Folge einer irrationalen Wallstreet.Wenn die USA alle Leistungsversprechen einhielten, würden die staatlichen Leistungen bis 2080 das sechsfache des GDPs ausmachen (s. Grafik 1). Dies lässt sich mit Steuererhöhungen nicht auffangen: d.h. die Leistungsversprechen können unmöglich eingehalten werden.

2. Die Risikoprämie auf Schulden

Leistungsversprechen sind Schulden. Man unterscheidet explizite (Staatspapiere) und implizite Schulden. Grafik 2 zeigt die Herkunft dieser Schulden. Ingesamt sind die Schulden heute vier mal so hoch wie das amerikanische Sozialprodukt.

Da man weiss, dass die Leistungsversprechen nicht eingehalten werden (können), müssen die Schulden insgesamt eine sehr hohe Risikoprämie enthalten. Die beobachtbaren expliziten Schulden weisen aber nur eine äusserst kleine Prämie auf. Das ist nur erklärbar, wenn das Risiko vorwiegend bei den impliziten Schulden liegt.

3. Die Risikoprämie auf impliziten Schulden

Die Risikoprämien auf impliziten Schulden lassen sich nicht direkt beobachten, da dafür kein Markt mit verbrieften Papiere besteht. Hingegen lässt sich das Risiko zuverlässig durch Umfragen beurteilen. Diese zeigen für die implizite Schuld der “Social Security” ein dramatisches Bild (Grafik 3): das Volk antizipiert bereits heute, dass die implizite Schuld nur zu einem sehr geringen Teil bedient werden wird.

4. Politischer Widerstand und Kollaps

Der Kernpunkt der Lösung des US-Verschuldungsproblems liegt darin, dass der Staat zwar die expliziten Schulden bedient, die übrigen Leistungsversprechen aber nicht einhält. Normalerweise zieht dies eine kleine politische Revolution der enteigneten Bürger nach sich. Diese bleibt jedoch dann aus, wenn die Enteignung bereits lange im Voraus antizipiert wird. Genau dies ist in den USA der Fall. Trotz dieser teilweisen Entwarnung ist es äusserst ratsam, das Verschuldungsproblem rasch und entschieden politisch anzugehen.

  • grafik1
  • grafik2
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