Konstruktive Medienkritik
aus Wirtschaft und Politik

Ausgewählte aktuelle Artikel werden kurz zusammengefasst und ergänzenden oder alternativen Sichtweisen bzw. Szenarien gegenübergestellt.

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Das neue Schisma östlicher Spiritualität

Ruhigstellen des Denkens führt zu gigantischem Kopfweh....

 

...oder zur Glückseligkeit und zur Erleuchtung

 

 

  

Im frühen 20. Jahrhundert haben Mönche in Burma ein veritables Schisma im Buddhismus ausgelöst. Sie entwickelten eine Praxis der buddhistischen Achtsamkeit (Satipatthana) unter dem Namen Vipassana (“Einsicht”), die Im Gegensatz zur bisherigen Tradition der Konzentration und Befolgung der Ethik wenig Gewicht beimisst und auf das  Erlangen tiefer Konzentrationszustände (Jhana) verzichtet. Damit steht sie in krassem Widerspruch zu Yoga und Buddhismus. Die neue Praxis hat die Achtsamkeitsbewegung im Westen wesentlich mitgeprägt. Der Widerspruch zum Vedanta Yoga kulminiert in der Antwort auf die Frage: “Wozu und wie meditieren?”. Immerhin ist die Fähigkeit “im Hier und Jetzt und ohne Wer-tungen zu sein” für beide absolut unabdingbar. 

 

Im Yoga und im traditionellen Buddhismus kommt der Meditation als Mittel zur Bewusst-seinserweiterung eine zentrale Rolle zu. Nur durch tiefe Seinserfahrungen vermag der Mensch erkennen, was im Leben wesentlich und heilsam ist. Im Vedanta Yoga wird gleich auch noch eine klassische Meditationspraxis gezeigt: “Yoga ist das zur Ruhe bringen des Geistes. Und wenn der Geist zur Ruhe gebracht ist, dann erfährt man sein wahres Wesen” und “Wie Feuer ohne Brennstoff in seinem eigen Herd erlöscht, ebenso kommt das Denken zur Ruhe im eigenen Ursprung, wenn die Unruhe der Denktätigkeit aufhört”. Voraussetzung ist damit, das “Denken zur Ruhe bringen”. Damit steht diese im Widerspruch zur Achtsamkeits-bewegung, welche diese Form der Meditation für nicht durchführbar hält.

(➜Achtsamkeitsbewegung)

 

s. u.a. Rupert Gethin,2013,"Achtsamkeit, Meditation und Therapie"

 

Kritik Bruce, 9.1.2017

 

AHV

SCHULDENBREMSE BEI AHV ...

 

... EINE STRATEGIE OHNE KOMPASS

 

 

  

Schoenenberger, Nicolussi und Fontana sehen die Bür-gerlichen bei der anstehenden AHV-Reform unter Zug-zwang. Das Feld den Linken zu überlassen wäre ge-fährlich, da die Verschuldungsproblematik statt abge-baut, weiter verschärft würde. Ein geeintes Vorgehen der bürgerlichen Parteien mit der klaren Kern-Botschaft "Schuldenbremse bei der AHV" wäre dringend ange-zeigt. Daneben seien weitere Masnahmen, wie Erhö-hung des Rentenalters und Verzicht der Indexierung erwünscht.

 

AHV Reformstrategien sind problematisch, solange niemand den Durchblick hat. Dies trifft besonders auf die Höhe der AHV-Schuld zu. Dennoch ist unbe-stritten, dass die AHV "massiv" implizit verschuldet ist und kommende Generationen dafür aufkommen müssen. Reformen wie "Erhöhung des Rentenalters" oder "Ver-zicht auf Indexierung" entsprechen denn auch einer in-tuitiven Vernunft mit klar voraussehbaren Implikationen. Eine "Schuldenbremse" ist dem-gegenüber - wie immer definiert - eine -> Strategie ohne Kompass.

 
NZZ vom 6.11.2012   Kritik Schlief, 6.11.2012  

US Verschuldung

US SCHULDENBERG IST EINE ZEITBOMBE...

 

...ABER OHNE ZÜNDER

 

   

Schulden sind Leistungsversprechen des Staates. In den USA sind diese so hoch, dass die Versprechen - selbst bei massiven Steuererhöhungen - nicht eingehalten werden können.  Dies müsste sich eigentlich in hohen Risikoprämien der Staatspapiere reflektieren, was wiederum Politiker zwingen würde, das Problem sofort nachhaltig anzupacken. Erstaunlicherweise enthalten die US Papiere kaum eine Risikoprämie. Kotlikoff führt dies auf Marktversagen (die Wallstreet irrt sich) zurück. Damit wird nach Kotlikoff das Szenario wahrscheinlich, wonach die Politik bis zum unausweichlichen Kollaps weiterwurstelt. 

 

Das unterstellte Marktversagen ist nicht überzeugend.  Entgegen der Meinung Kotlikoffs gibt es einen ökonomisch bedeutsamen Unterschied zwischen expliziter und impliziter Schuld. Die erstere beurteilt der Markt als feste Verpflichtung, die letztere jedoch als relativ unverbindliche staatliche Absichtserklärung. Die “Risikoprämie” für die riskanten unverbrieften Leistungsversprechen lassen sich nur durch Umfragen belegen: 60% der aktiven Amerikaner glauben, der Staat erbringe künftig seine versprochenen Sozialleistung nicht (➡ Schuldenberg USA). Dieser faktische vorausgenommene “Abschreiber” der impliziten Schuld relativert die Aussagen Kotlikoffs grundlegend.

 
Prof. Kotlikoff im Notenstein-Gespräch, 2/2013   Kritik Bruce, 6.3.2013  

Erdöl Markt

KNAPPHEIT SIEHT ANDERS AUS...

 

....AHA! WIE DENN?

 

 

  

Gerald Hosp weist in seinem Artikel auf eine "samtene Revolution" in der Gewinnung von fossilen Brennstoffen hin: dem hydraulic fracturing. Erfolge in den USA führten zu einer veritablen Euphorie.  Trotz des ausgelösten Booms warnt Hosp vor Verallgemeinerungen. Er unterscheidet zwischen der ökonomischen Knappheit (mit dem Preis als Indikator) und der geologischen (vorhandene langfristig erschliessbare Weltreserve).  Interessant ist vor allem die erstere. Hierzu meint Hosp überraschend: der Preis (und damit die Knappheit) wird voraussichtlich hoch bleiben, ohne dies zu begründen. Dies widerspricht dem behaupteten Angebots-Boom und der Aussage im Titel.

 

Für Anleger und Investoren ist die Frage der kurz- bis mittelfristigen Preisentwicklung entscheidend. Nachfrage, Angebot und Lagermöglichkeit sind die zentralen Ingredienzen für die Abschätzung. Die technologische Entwicklung des Abbaus mittels hydraulic fracturing hat das Angebot und die erwartete Entwicklung beeinflusst. Tatsächlich scheint es möglich durch "Abgrasen" der ergiebigen Orte (sweet spots) kurzfristig beachtliche Mengen zu fördern. Dies erscheint aber ökonomisch und ökologisch wenig nachhaltig und ist im Vergleich zum Weltmarkt und zur Unsicherheit (noch) nicht bedeutend. Bestehende seriöse Marktanalysen werden somit durch das Phänomen fracturing wenig relativiert (➜ Fundamentalanalyse Erdöl)

 

Gerald Hosp in NZZ, 15. 6. 2013

 

Kritik Bruce, 16.6.2013